Zwölf Vornamen sind zuviel 


Sind sie ein bibelfester Christ? Und haben sie Kinder? Vielleicht haben sie sich da bei der Namenswahl an biblischen Vornamen orientiert? Benjamin ist zum Beispiel ein sehr beliebter Name für einen späten Nachzügler. Und Judas würde wohl keiner sein Kind guten Gewissens nennen. Aber die Wahl fällt trotzdem schwer. Gott sei Dank gibt es da Zweitnamen zum Ausweichen. Auf diesem Wege kann man seinem filius auch mal was Exotisches unterjubeln, ohne dass die Nachbarn das Baby gleich komisch anschauen. 

Aber zwei Namen sind immer noch ziemlich wenig. Jesus hatte ja zum Beispiel zwölf Jünger. So ähnlich dachte wohl auch eine Mutter, die ihrem Kind zwölf Vornamen geben wollte. Sie orientierte sich dabei etwas weniger an der Bibel, deshalb nannte sie ihr Kind wie folgt: Chenekwahow, Tecumseh, Migiskau, Kioma, Ernesto, Inti, Prithibi, Pathar, Chajara, Majim, Henriko und Allessandro. Oder sagen wir besser sie wollte ihr Kind so nennen. Das Standesamt war da nämlich dagegen und so klagte die Mutter vor dem Amtsgericht. Das billigte ihr drei Vornamen zu, den Rest hielt der Richter für übertrieben. Aber die Mutter hatte wohl sehr lange nach den Namen gesucht und wollte deshalb nicht klein beigeben. In zweiter Instanz vor dem Landgericht wurde ihr deshalb noch ein vierter Name zugebilligt. Chenekwahow, Tecumseh, Migiskau und Ernesto sollte sie ihr Kind nennen dürfen. 

Aber auch damit war die Frau, die hoffentlich über ein exzellentes Gedächtnis verfügt, noch nicht einverstanden und erreichte mit einer Beschwerde beim Oberlandesgericht, dass auch der Name Kioma noch durchgewunken wurde. 

Haben sie mitgezählt? Sieben fehlen noch. Und weil die Mutter das auch gemerkt hat ging sie in die nächste Runde: Unter dem Aktenzeichen 1 BvR 994/98 hatte das Bundesverfassungsgericht am 28.01 2004 über die Sache zu entscheiden. Und glücklicherweise tat es das dann auch: Die Mutter sei durch die Einschränkung auf nur fünf der zwölf Namen nicht in ihrem Elternrecht aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG verletzt worden. Zwar umfasse das Recht der Eltern, Sorge für ihr Kind zu tragen, auch das Recht, ihrem Kind einen Namen zu geben. Dies betreffe auch die Wahl eines Vornamens. Dieses Recht werde jedoch dann eingeschränkt, wenn die Ausübung des Elternrechts das Kindeswohl zu beeinträchtigen droht. Der Staat sei in Wahrnehmung seines Wächteramts nach Art. 6 Abs. 2 Satz 2 GG nicht nur berechtigt, sondern auch dazu verpflichtet, das Kind vor verantwortungsloser Namenswahl durch die Eltern zu schützen. 

Was aus dem Kind geworden ist, wissen wir nicht. Doch auch viele andere Kinder konnten gerettet werden. Namen, die nach Urteilen deutscher Gerichte das Kindswohl verletzen und deshalb abgelehnt wurden, sind beispielsweise: Poopy, Fify, Berlin, Bodhi, Borussia, Cezanne, Frieden-Mit-Gott-Allein-Durch-Jesus-Christus, Grammophon, Heydrich, Holgerson, Lindbergh, McDonald, Moewe, Mechipchamueh, Navajo, Pfefferminze, Puschkin, Rosenherz, Schröder, Schmitz, Stone, Sonne, Tom Tom und Woodstock. 

Deutschlands Kindergärtnerinnen danken der deutschen Justiz!