Telefonwerbung 

Von wegen Geheimnummer und Privatsphäre - Telefonwerbungen schrecken auch vor fast gar nichts zurück. 


Ich habe mir zuhause ein neues Telefon angeschafft. So ein Teil im „Retro-Look“. Sieht aus wie sechziger Jahre, ist aber schnurlos, digital, polyphon und technisch der letzte Schrei. Besonders faszinierend finde ich die Klingeltöne. Was es da alles gibt! Ist aber eigentlich egal, denn mich ruft privat fast niemand am Festnetz an, ich habe nämlich eine „Geheimnummer“. 

Dachte ich jedenfalls. Umso mehr wunderte es mich, als mein nagelneues Telefon, kaum dass ich es installiert hatte, mit ohrenbetäubender Lautstärke exotische Töne herausbrüllte. Ein Notfall in der Familie? Mitnichten! Es war die leiernde Stimme eines jungen Mannes, der im Auftrag eines Meinungsforschungsinstitutes mein Konsum-verhalten erforschen wollte. Ich blieb höflich, fragte aber spürbar unterkühlt, woher der Herr denn bitte meine Nummer hätte? Das geht doch wohl nicht mit rechten Dingen zu? Ob er die irgendeinem Datendieb abgekauft hat? Sichtlich um Deeskalation bemüht erklärte der Herr vom Institut mir, die Nummer sei völlig legal per Zufallsprinzip von einem „Nummerngenerator“ ermittelt worden. Schon klar: Eine sechsstellige Nummer mit Vorwahl per Zufall ermittelt? Der kann mir viel erzählen. Ich beendete die Konversation zügig und verbat mir weitere Anrufe. Aber neugierig war ich jetzt schon. Woher hatte der meine Nummer, obwohl sie gar nicht im Telefonbuch steht? 

Das Ergebnis ist erstaunlich. Es gibt tatsächlich Telefoncomputer, die stur und hartnäckig jede mögliche Nummernfolge durchtelefonieren, bis sie eine finden, die vergeben ist. Ganz egal, ob die im Telefonbuch steht oder geheim ist. Die Nummer verbindet der Computer dann automatisch mit dem Herrn mit der leiernden Stimme. Und darf der mich jetzt einfach dazu befragen, welche Butter mir am besten schmeckt und welche Schuhgröße ich habe? Unerlaubte Telefonwerbung ist in Deutschland doch gesetzlich untersagt! Aber Telefonumfragen sind keine Werbung. 

Die Rechtslage dazu ist verwirrend. Ein Anwaltskollege wollte es genau wissen und verklagte die Meinungsforscher, die ihn (ebenfalls unter seiner privaten Geheimnummer) angerufen hatten, vor dem Amtsgericht Hamburg St. Georg (Az. 918 C 413/05). Der Richter urteilte: die dürfen das. Der Anwalt blieb hartnäckig und ging in die nächste Instanz. Das Landgericht Hamburg gab ihm Recht und befand, solche Anrufe sind nur mit ausdrücklicher Einwilligung zulässig (Az. 309 S 276/05).  

Anders sieht es das Amtsgericht Frankfurt am Main: man müsse es auch mit einer Geheimnummer im Falle der Meinungsforschung grundsätzlich hinnehmen, angerufen zu werden. Dafür spreche allein das Bestehen des Telefonanschlusses. Auf einen Eintrag komme es nicht an (Az. 32 C 3456/06). Letztlich steht das Recht der informationellen Selbstbestimmung hier im Widerstreit mit dem Recht der freien Forschung. 

Damit ich hier nicht zwischen die juristischen Fronten gerate, habe ich inzwischen herausgefunden, dass man mein neues Telefon auch stumm stellen kann. 

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