Schatz gefunden


Spielen Sie eigentlich Lotto? Eins zu einhundertvierzig Millionen sind die Chancen auf einen Hauptgewinn. Es gibt freilich auch noch eine romantischere Methode, zu unerwartetem Reichtum zu gelangen: den Fund eines Schatzes. Als kürzlich ein schottischer Rentner den bisher größten Wikingerschatz der Geschichte beim Spazierengehen entdeckte, wähnte er sich in einer Saga – doch es war die aufregende Wirklichkeit! Und immer wenn die Wirklichkeit aufregend wird – schlägt die Stunde der Juristen. Darf man einen gefundenen Schatz eigentlich einfach so behalten? 

Das fragte sich auch ein Mann aus Düsseldorf, der 2008 ein Mehrfamilienhaus mit einem Kachelofen erworben hatte. In dem Ofen fand er zwei geheimnisvolle Metallkassetten – und darin schlummerten säuberlich gestapelt 303.700,00 Deutsche Mark in Scheinen aus den siebziger Jahren. Die Freude währte nicht lange, denn die Erben der inzwischen verstorbenen Hauseigentümerin verlangten die Herausgabe der „Kohle“ aus dem Ofen. Der neue Käufer wandte ein, es handele sich um einen „Schatzfund“ und den dürfe er behalten. Das Gericht befragte das Bürgerliche Gesetzbuch unter Hausnummer § 984: einen gefundenen Schatz darf man dann behalten, wenn er so lange verborgen war, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist. Dummerweise hatte die alte Dame irgendwann einmal gesagt: „Es gibt Leute, die ihr Geld im Ofen verstecken“. Das war für das Gericht ausreichender Beweis dafür, dass sie die Eigentümerin des Geldes gewesen war. Eigentümer also ermittelbar, kein Schatz, Ofen aus, Geld geht an die Erben (LG Düsseldorf Az. 15 O 103/11). 

Als Schatz vor Gericht landete übrigens auch der legendäre, versteinerten Urvogel Archäopteryx. Der Besitzer eines Steinbruchs behauptete, bei ihm sei das Urzeithuhn gefunden worden und verlangte die Herausgabe des Vogels von dem Museum, in dem das Fossil aufbewahrt wurde. Weil er allerdings den Fundort nicht beweisen konnte, blieb das knochige Federtier in der Vitrine (OLG Nürnberg, Az. 4 U 857/98). 

Doch wie ist das nun eigentlich, wenn ein Glückspilz, beispielsweise bei einem Donauspaziergang, einen funkelnden Römerschatz findet? Zunächst einmal gehört die bayerische Donau und deren Ufer dem Freistaat – ist also für jeden Schatzfinder „fremder Grund“. § 984 BGB sieht in diesem Fall für Schatzfunde  die „Hadrianische Teilung“ vor. Halbe-Halbe für Finder und Grundstückseigentümer. Die meisten Bundesländer haben diese Regel allerdings durch das so genannte „Schatzregal“ beseitigt. Das ist kein Möbelstück zur Deponierung von Münztruhen sondern ein Landesgesetz, das besagt, dass der Finder eines Schatzes diesen (gegen eine mickrige Belohnung) abliefern muss. In Bayern hingegen ist das Glück noch zuhause und die „Hadrianische Teilung“ gilt. 

Wenn Sie also mal einen Keltenhelm oder einen Dinoknochen im Straßengraben finden, müssen Sie nur noch klären, welche Hälfte Sie haben wollen. 

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