Saupreuss



Der Saupreiß selber wird vermutlich glauben, er sei unbezahlbar. So sind sie halt. Aber was kostet das eigentlich, wenn man so einen beim rechten Namen nennt, so einen Saupreiß´n, einen elendigen vielleicht sogar? 

Das Stichwort ist § 185 Strafgesetzbuch: „Beleidigung“. Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe heißt es da. Na gut, eingesperrt wird man normalerweise nicht gleich, wenn man einen nichtbayerischen Zuzögling solcherart tituliert. Aus Erfahrung weiß ich, dass man in der Regel vielmehr überhaupt nicht für so eine Lappalie bestraft wird. Wäre ja auch noch schöner. Die Gerichte haben wahrlich besseres zu tun. Mangels öffentlichem Interesse wird das dann meistens einfach eingestellt. Aber wenn der „Saupreiß“ besonders engagiert und vollmundig vorgetragen wird, dann reicht´s ausnahmsweise doch mal bis zur Geldauflage, zum Strafbefehl oder sogar Anklage. Und was kostet das dann? Da muss man einerseits zwischen Zivil- und Strafgericht unterscheiden und zudem ist es wegen des freien richterlichen Ermessens von Richter zu Richter verschieden. 

Ich habe einmal beim Amtsgericht Neumarkt angerufen. „Also ein Saupreiß...bei durchschnittlichen Einkommensverhältnissen...aus dem Bauch heraus...um die 500 Euro“, sagte mir Richter Peter Hollweck. Das wären die strafrechtlichen Kosten. Und weil Herr RiAG Hollweck derzeit vor allem Zivilsachen macht, habe ich ihn gleich auch nach dem Schmerzensgeld gefragt. „Am untersten Rand“, meint er da, „so zwischen einhundert und zweihundert Euro“. 

Nun, das ist doch eine recht kostengünstige Freizeitalternative – im Vergleich zum Skifahren zum Beispiel. Aber Achtung! Die Verletzungsgefahr ist ähnlich hoch. Der Bundesgerichtshof hat in einer Uraltentscheidung einmal festgestellt, dass man ein Recht auf Notwehr hat, wenn eine „Beleidigung noch im Raum steht“. Und Notwehr beinhaltet nach herrschender Lehre auch die Verteilung einer so genannten „Watsch´n“. Ohrfeige würde der Saupreiß wohl dazu sagen, oder „Backpfeife“. Aber weh tut das trotzdem, wenn er zuschlägt. 

A propos -was kostet eigentlich so eine Watsch´n? Wenn es dann doch keine Notwehr gewesen wäre, weil die Beleidigung den Raum schon verlassen hat? Wir Juristen recherchieren solche Fragen in so genannten „Schmerzensgeldtabellen“. Darin findet sich zum Thema Ohrfeige zum Beispiel das Landesarbeitsgericht Köln (und die kennen sich mit Saupreußen sicher besonders gut aus): Achtundert Euro, wenn es einen Kollegen erwischt. (LAG Köln Az. 5 Sa 827/08). 

Das ist fast schon so teuer wie Skifahren! Dann vielleicht doch lieber Beleidigungen? Die sind auch viel poetischer! 750 Mark hat das das Landgericht Hamburg 1992 einmal für jemanden ausgelobt, der einen Rechtsanwalt als „Schmuddelbäckchen“ beleidigt hat, das sind immerhin umgerechnet 383,00 Euro. Wie der Jurist sich den Titel verdient hat, ist nicht überliefert. Verblüffender Weise sind übrigens gerade nonverbale Beleidigungen besonders teuer. Tippen an die Stirn beim Gedanken an Singvögel wird schon mal mit 750 Euro honoriert und der berüchtigte Stinkefinger hat erstaunliche 4000 Euro Marktwert bei manchen Gerichten. Da muss man sich schon überlegen, was einem die Freizeit so wert ist. 

Ein Tipp zum Schluss: Im Zweifel kommt „du Saupreiß“ immer noch billiger als „Sie Saupreiß“ – weil es einfach herzlicher ist! 

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