Recht im Baumarkt



In der kalten Jahreszeit ziehen wir Männer uns langsam aus der Wildnis zurück in unsere Höhlen. Also was ich meine: wir verlagern unseren Tätigkeitschwerpunkt vom Heckentrimmen und Rasenmähen im Garten in den Hobbykeller. Das merken zum einen unsere Familien (das laute Fluchen über defekte Geräte kommt jetzt aus einer anderen Richtung) und zum anderen die Mitarbeiter der Baumärkte (eine Verlagerung der Kundenströme weg von der Gartenabteilung ins Hauptgebäude). 

Der Baumarkt, das ist das, was uns domestizierten Männern von der großen Freiheit der steinzeitlichen Steppe übrig geblieben ist. Wenn wir dieser Tage zuhause damit prahlen, im Kofferraum ein „Mammut“ mit heimgebracht zu haben, dann handelt es sich dabei selten um ein dickbepelztes Rüsseltier, von dem die Sippe die nächsten drei Monate satt wird, sondern vermutlich um die von kreativen Werbestrategen entwickelte Produktbezeichnung eines Laubsaugers oder einer Tischkreissäge. 

Auch das Recht der Steppe ist auf Baumärkte nicht mehr uneingeschränkt anwendbar, weil sich der Homo Faber dort einfach gänzlich andersartigen juristischen Herausforderungen zu stellen hat. Nehmen wir zum Beispiel an, Sie haben im Baumarkt mehrere Kisten Klicklaminatboden im Supersonderangebot erworben und haben einen Handwerker damit beauftragt, der alten Hütte mittels des günstigen Bodens zu frischem Glanz zu verhelfen. In den ersten paar Wochen riecht es neu und sieht auch schick aus. Dann aber löst sich langsam die oberste Schicht ab und überall bilden sich hässliche Bläschen. Dass Sie jetzt einen Anspruch auf „Geld zurück“ gegen den Baumarkt haben, ahnt selbst der hinterwäldlerischste Höhlenbär. Aber wer kommt auf für die unnütz aufgewendeten Handwerkerkosten? Wer bezahlt den Ausbau und die Entsorgung des Supersonderangebotes? 

Der Europäische Gerichtshof hat hier ein Herz für Jäger und Sammler bewiesen: Nicht nur für mangelhaftes Material, auch für die dadurch entstehenden Folgekosten muss der Baumarkt aufkommen (Az. EuGH, C-65/09 und C-87/09, Urteil vom 16.6.2011). Ähnlich entschied das Amtsgericht München in folgendem (vom Verfasser anonymisiert dargestellten) Fall: ein Jäger hatte seine private Miethöhle beim Auszug mit den Farben "Profiweiß" und "Super Color Wohnraumfarbe" aus dem Baumarkt geweißelt, hinsichtlich derer sein Vermieter allerdings besondere Minderwertigkeit befürchtete und deshalb 4000 Knochen für eine professionelle Sanierung verlangte. Doch das Gericht gab dem Mieter Recht, als dieser ins Feld führte, der Baumarkt hätte ihm immerhin konkret zu diesen Farben geraten. Wer seinem Baumarkt vertraut, so der Richter, der handle nicht pflichtwidrig (Az. 432 C 7911/15). 

Und weil wir Männer unserem Baumarkt so blind vertrauen, legen die Gerichte auch Wert darauf, dass es ein sicherer Ort bleibt: Baumärkte müssen daher ihre Fußböden stets sauber halten, das müssen die Mitarbeiter alle 30 Minuten kontrollieren, sonst steht Kunden, die dort stürzen, ein Schmerzensgeld zu (OLG Hamm, Az. 9 U 187/12). 

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