Made in Germany 


Kennen sie diesen berühmten Wurm? Also eigentlich ist es ja eher eine Larve. Eine Made genaugenommen. Die „Made in Germany“. Nein, sie haben schon Recht – das war kalauertechnisch jetzt wirklich die allerunterste Schublade. Aber in welcher Schublade finden wir eigentlich das weltweit beliebte und den Menschen Qualität, Sicherheit und Ordnung einflüsternde Zertifikat „Made in Germany“? Hält dieser schon fast religiös verehrte Anglizismus noch, was er verspricht? 

Dazu gibt es gute und schlechte Nachrichten. Zunächst die schlechte vorweg: nur weil etwas in Deutschland hergestellt wurde, muss das leider noch nicht bedeuten, dass es wertvoll, beständig oder aus irgendeiner der oberen Schubladen gegriffen wäre. Es besteht die immerwährende Gefahr, dass auch ein Erzeugnis deutscher Lande Schrott sein könnte. Seien sie im Zweifel also nicht zu euphorisch und erst recht nicht enttäuscht, wenn am Ende doch der Wurm drin steckt – obwohl die Made draufsteht. 

Aber nun zur guten Nachricht: wenn sich auf der Verpackung „Made in Germany“ gedruckt findet, dann ist das Tierchen auch ziemlich sicher schwarz, rot und gülden gefärbt. Herkunftstechnisch gesehen. Darum kümmern sich emsig die deutschen Richter, die jedem, der behauptet, in Deutschland produziert zu haben, penibel auf die Finger sehen. So sagt zum Beispiel das Oberlandesgericht Stuttgart: Die Angabe „Made in Germany" ist auf jeden Fall dann irreführend und verboten, wenn zahlreiche, wesentliche Teile eines Geräts aus dem Ausland kommen (Az. 2 U 124/95). 

Die Mindestvoraussetzungen eines Produktes, das sich den Adelstitel deutscher Fertigung erwerben will, hat das Landgericht Frankfurt am Main so definiert: der Fertigungsbetrieb muss in Deutschland liegen und die Entwicklungs- und Fertigungsstufen müssen hier kontrolliert und überwacht werden (3/12 U 50/08). Ein Besteckhersteller wähnte sich insoweit auf der sicheren Seite, als er sechs Messer, sechs Gabeln, sechs Löffel und sechs Kaffeelöffel in eine Kiste packte und „Made in Germany“ draufschrieb. Doch er hatte nicht mit den Gralshütern beim Oberlandesgericht Düsseldorf gerechnet. Die stellten nämlich fest, dass zumindest die Messerchen aus China geliefert und in Germany nur poliert worden waren. Auch wenn die mitverpackten Löffelchen und Gäbelchen das außerdeutsche Ausland nie gesehen hatten: dieses Besteckset ist kein reines deutsches und wer solches behauptet, führt den Verbraucher in die Irre, urteilten die Düsseldorfer Richter (Az. I-20 U 110/10). 

Richtig fuchsig werden deutsche Gerichte natürlich, wenn es um die Sicherheit geht. Ein Erotikvertrieb aus Bielefeld hatte Verhüterli aus dem Ausland bezogen, auf Dichtigkeit und Reißfestigkeit untersucht, befeuchtet, versiegelt und als „Made in Germany“ in den Verkehr gebracht, sozusagen. Indiskutabel, fand das Oberlandesgericht Hamm: bei Werbeslogans wie „Made in Germany“ erwarte der Verbraucher, dass zumindest der maßgebliche Herstellungsvorgang in Deutschland stattgefunden habe. 

Wenn es also um die Wurst geht oder um den Wurm und erst recht um die Made ist und bleibt Germany heiliger Boden.


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