Inkasso

Ein unliebsames Wort, das, von den Falschen durchgeführt, großen Schaden anrichten kann. 












Hasen sollen ja angeblich in so eine Art Schockstarre verfallen, wenn sie sich kleinnagerfressenden Reptilien gegenüber sehen. Jedenfalls gibt es dieses berühmte Sprichwort vom Kaninchen und der Schlange. Ein ähnliches Phänomen ist bei uns Menschen zu beobachten, wenn uns gewisse Begrifflichkeiten vorgehalten werden. Wenn ich zum Beispiel das Wort „Zahnarzt“ gebrauche, spüren sie es? Dieses Kribbeln, wenn sich die Nackenhaare aufstellen?

„Inkasso“ ist auch so ein Begriff, bei dem sich manchmal nicht nur die Nackenhaare aufstellen, sondern sogar die Zehennägel aufrollen. Dann nämlich, wenn „Inkasso“ nicht durch seriöse Anwaltskanzleien, sondern durch…sagen wir einmal wertneutral… „andere Institutionen“ betrieben wird. Unternehmen, die mit teils irritierenden Methoden und erstaunlicher Hartnäckigkeit versuchen, im Auftrag von mitunter gar nicht allzu seriösen Gläubigern gegen manchmal erschreckend hohe Gebühren Geld einzutreiben. Bisweilen kommt es da zu Grenzüberschreitungen, die dazu führen, dass diese Branche einen nicht ganz ungetrübten Ruf genießt. 

Da gibt es zum Beispiel den Fall eines Inkassounternehmens, das sich mit dem Namen der russischen Hauptstadt schmückte und mit folgendem Werbeslogan auftrat: „Wir sind kein herkömmliches, normales zugelassenes Inkassounternehmen! Und wir wollen es auch nicht sein … Wenn Sie so etwas suchen, wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt oder den Bundesverband der Inkassounternehmen … Suchen Sie mehr? Dann xxx Inkasso …" Das Landgericht Köln urteilte dazu „schlagfertig“: Ein Geldeintreiber darf nicht mit Gewalt drohen, auch nicht unterschwellig. Laut Gericht ist die Geschäftstätigkeit des Beklagten "ersichtlich darauf angelegt, durch Drohungen mit körperlicher Gewalt oder deren Anwendung Forderungen einzuziehen" (Az. 33 O 390/06).

Doch manchmal drohen die Inkassobetreiber mit viel subtileren Konsequenzen als gebrochenen Beinen – nämlich mit einem negativen Schufa-Eintrag und der tut manchmal noch viel mehr weh. Dürfen die nicht, sagte das Landgericht Berlin zu einem Inkassounternehmer, der Geld für einen Autoverleiher eintreiben wollte. Ein negatives Schufa-Scoring ist heute für die individuelle Lebensgestaltung so gravierend, dass seine Beantragung einen schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte darstellt. Das darf, wenn überhaupt, nur der Gläubiger selbst – nicht aber sein Inkassobüro (Az. 4 O 97/11). 

Besonders ekelhaft wird es, wenn Geldeintreiber und Gläubiger gemeinsam zwielichtige Geschäfte betreiben. Das Verwaltungsgericht Frankfurt hatte es mit einem Fall zu tun, bei dem sich eine Sparkasse weigerte, einem Inkassounternehmen aus Offenbach ein Konto einzurichten, das Geld für einen „Internetabzocker“ eintrieb, der mit „Downloadfallen“ reich werden wollte. Der Geldeintreiber „wirkt hier an einer Verbrauchertäuschung mit“ urteilte das Gericht. Das muss eine öffentlich-rechtliche Bank nicht unterstützen (Az. 1 K 1711/10.F). 

Bleibt am Ende die Frage nach der Berechtigung der teils irrwitzigen Inkassogebühren. Das ist sehr umstritten. Mir gefällt dazu am besten ein Urteil des AG Brandenburg: Einhundertsiebzehn Euro wollten die Geldeintreiber. Drei Euro hielt der Richter für ausreichend (Az. 37 C 54/12).  

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