Hauptgewinn

Ich gewinne nie etwas. Aber mal ganz ehrlich, vielleicht ist das ja quasi der „Hauptgewinn“? Beim Gewinnen gibt es nämlich nur Verlierer. Von wegen Reichtum macht nicht glücklich. So richtig unglücklich macht erst gewonnener Reichtum! Das fängt schon im Kleinen an. Da war zum Beispiel dieser Mann, der eine Reise gewonnen hatte. Nicht irgendeine Reise, sondern „…als Hauptgewinn eine Traumreise für 2 Personen ins Land der Azteken." Tolle Sache, dachte er und beschloss, sich und seiner Partnerin daraus ein „Weihnachtsgeschenk“ zu basteln. Er informierte also den Reiseveranstalter, dass er der Gefiederten Schlange (mächtige aztekische Gottheit) und den Bluttempeln von Tenochtitlan (heute Mexico City) gerne über die Feiertage seine Aufwartung machen möchte und seinen Gewinn zu diesem Zeitraum antreten würde. Gerne – aber nur gegen Aufpreis – erwiderte der Veranstalter und schon landete die Sache vor Gericht. Der unglückliche Gewinner klagte auf Auszahlung des Reisegewinns – immerhin stolze 6500 Euro – um sich damit in Eigenregie die Reise auf Cortez Spuren zu buchen. Über Weihnachten. Ohne Aufpreis! Der Veranstalter wandte zunächst ein, der Rechtsweg sei doch ausgeschlossen gewesen. Das stünde doch ganz deutlich bei jedem Gewinnspiel dabei! Das aber, so die Richter, gelte zwar für die Gewinnermittlung, nicht jedoch für die Preisverteilung. Trotzdem wurde die Klage abgewiesen, denn gewonnen hatte der Ex-Glückspilz eben eine Reise und nicht deren Geldwert. (LG Osnabrück, Az. 5 O 2509/05). 

Bevor ich Ihnen die nächste Geschichte erzähle, möchte ich Sie noch einmal (schmerzvoll) daran erinnern, dass Spanien die Deutschen im EM Finale 2008 zum Vizeeuropameister degradiert hat…sie erinnern sich? Ein Möbelhaus hatte damals ein besonderes Gewinnspiel veranstaltet: „8 Tage lang alle Möbel und Küchen gratis, wenn wir Europameister werden! Für alle Einkäufe an diesen 8 Tagen zahlen wir den Kaufpreis zurück". Gewonnen hat keiner, unsere Elf nicht, die Küchenkäufer nicht, das Möbelhaus aber auch nicht – die durften das nämlich gar nicht, entschied das Oberlandesgericht Hamm: Diese Werbung sei geeignet, den Verbraucher in unangemessener, unsachlicher Weise zu beeinträchtigen. Mit dem Gewinnspiel verlocke man zu Kaufabschlüssen, die sonst erst später getätigt worden wären. Darin liege ein direkter Kaufzwang (Az.: 4 U 200/08). 

Als Gewinner wähnte sich auch ein Mann, bei dem auf seinem Computerbildschirm wie von Zauberhand plötzlich ein „Pop-up-Fenster“ aufging: „Sie sind unser 999.999 Besucher, herzlichen Glückwunsch - Sie haben dadurch die freie Auswahl gewonnen: AUDI A5 oder 25.000,- EURO“. Er gab seine persönlichen Daten an…und das war´s. Nur darum nämlich ging es dem Werbeunternehmen. Kein Audi. Kein Geld. Der Mann klagte auf Auszahlung der 25.000 Euro beim Landgericht Köln und berief sich auf §661a BGB, der besagt: „Wer eine Gewinnzusage zusendet, der muss den Gewinn auch auszahlen“. Tja, sagten die Kölner Richter: Das Pop-up-Fenster wurde aber nicht zugesendet! Eine Computergrafik besitzt nämlich keine „Verkörperung“. Gewinn zerplatzt (bzw. zugepoppt), Klage abgewiesen (Az. 2 O 120/08). 

Wie gewonnen, so…naja Sie wissen schon.