Ein Recht auf "Frei"bad?!

Der Name "Freibad" lässt sich in manchen Fällen auch anders interpretieren, wie einige Fälle in dieser Kolumne zeigen.


Es gibt die unterschiedlichsten Orte, wo Menschen ihre Freiheit suchen. Manche im Glauben. Andere im Urlaub. Viele in einem guten Buch oder auch in der Musik. Innere und äußere Orte, die man aufsucht, um ganz man selbst zu sein. Im Sommer ist so ein Ort für viele das Freibad. Und man darf etlichen Besuchern dort uneingeschränkt attestieren, dass sie „ganz sie selber“ sind – leider möchte man mitunter hinzufügen. Man würde sich bisweilen einen Hauch weniger Freiheit und dafür eine Nuance mehr gutes Benehmen wünschen. 

Aber dafür gibt es im Zweifel ja später dann Gerichte. Beispielsweise das Verwaltungsgericht in Mainz. Das musste zunächst einmal dem Lehrbuch „Alter schützt vor Torheit nicht“ das Kapitel eines Rentners hinzufügen, der regelmäßig die Badeanstalten der Stadt Alzey auf- respektive heimsuchte. Dort übte er sich sodann im Übertreten sämtlicher Baderegeln. Fast harmlos noch, dass er sich nicht an die Schließzeiten der Wasseranstalten halten wollte und regelmäßig nach Badeschluss von der herbeigerufenen Polizei aus dem Wasser gezogen werden musste. Zudem rammte und verdrängte er mehrfach andere Schwimmer durch rücksichtsloses Rückenkraulen. Die Verwaltungsrichter bestätigten daher ein sechswöchiges Badeverbot gegen den greisen Wasserrüpel (Az. 6 L 72/07). 

Genauso wie die ganz Alten sind oft auch die ganz Jungen im Rausch des Badespaßes gelegentlich jenseits der Grenzen der geistigen Zurechenbarkeit unterwegs. So beispielsweise ein Sechsjähriger, der im Freibad in Coburg einen Plastikbeutel mit Leitungswasser füllte und seine mitgebrachte Frau Mama damit erfrischen wollte – was misslang, denn das Wasser hatte eine Temperatur von 85 Grad und führte zu fiesen Brandblasen. Wie können die denn ihre Boiler so hochdrehen, regte die Frau sich auf und verlangte vom Freibadbetreiber 5000 Euro Schmerzensgeld vor dem Landgericht Coburg. Doch die Richter klärten zunächst auf, dass wohl ein anderer Kindskopf und keinesfalls die Freibadverwaltung den Temperaturregler auf „Kochen“ gedreht hatte. Abgesehen davon falle der Vorfall unter die Rubrik „allgemeines Lebensrisiko“ und so ging die Frau mit Ihrer Klage (und ihrem missratenen Filius) damit quasi baden (Az. 23 O 726/06). 

Apropos Brandblasen – dümmer geht’s nimmer! Da haben drei junge Kerle das Freibad in Rickling für mehrere Monate stillgelegt und 125000 Euro Schaden angerichtet. Sie waren im Oktober 2013 nachts in den Personalaufenthaltsraum eingebrochen und wollten vom dortigen Telefon aus kostenlos an einem Gewinnspiel teilnehmen. Als sei das nicht absurd genug, übergossen sie danach das Telefon mit Spiritus und legten Feuer, um die „Spuren zu verwischen“. Der Brand geriet außer Kontrolle, das Freibad brannte nieder und die Burschen fanden sich vor dem Jugendschöffengericht Bad Segeberg wieder. Der Prozess lief im Februar 2015: Einen der drei ließen die Richter laufen, die anderen beiden erhielten Haftstrafen. 

Untergetaucht gehören die sich, solche Beckenrandschwimmer! 

Anrufen
Email