Doppelnamen


Erinnern Sie sich an Herrn Müller-Lüdenscheid? Sie wissen schon, Loriots Vorkämpfer um die Badewannenhoheit: „Die Ente bleibt draußen!“ Was wissen Sie eigentlich privat über ihn? Vermutlich so wenig wie ich auch. Aber spannend wäre es schon, nicht wahr? Zum Beispiel sein Liebesleben. Vielleicht ist Herr Müller-Lüdenscheid üblicherweise mit seiner Verlobten in der Wanne? Nennen wir sie hier einmal – um ihre Privatsphäre zu schützen – Frau Apfel-Schorle. Die beiden sind wahnsinnig verliebt und wollen heiraten. Tolle Sache eigentlich. Aber wie heißen die dann? 

§ 1355 BGB sieht vor, dass Ehepaare einen gemeinsamen Ehenamen bestimmen dürfen. Einer von beiden darf auch einen Doppelnamen tragen. Aber mehr als zwei Namen dürfen es nie werden. 

Da half auch die Klage einer Münchener Zahnärztin vor dem Bundesverfassungsgericht nicht, die nach der Heirat gerne Frieda Rosemarie Thalheim-Kunz-Hallenstein geheißen hätte. Die Verfassungshüter fanden: drei ist einer zuviel (1 BvR 1155/03). 

Schade für die zwei aus der Badewanne, aber wenn es eben nicht geht… Sagen wir, sie einigen sich darauf, dass jeder seinen Doppelnamen behält – das geht nämlich laut § 1355 BGB. Und nehmen wir an, Frau Apfel-Schorle und Herr Müller-Lüdenscheid bekommen Nachwuchs. Herzlichen Glückwunsch! Aber wie heißt der dann? 

Ein Hamburger Juristenehepaar stand vor eben dieser Frage, als ihr Sohn geboren wurde. Der Papa heißt mit Nachnamen Baldus, die Mama Stadtländer. Gerne hätten sie den Filius nun Maximilian Baldus-Stadtländer genannt. Jahrelang dauerte der Streit an – mit dem kuriosen Effekt, dass der Zwerg keinen Nachnamen hatte. Auch hier zeigte sich letztlich das angerufene Bundesverfassungsgericht konservativ und bestärkte 2002 die Rechtslage, wonach ein ultimativ einzelner Nachname für das Kind auszuwählen ist. 

Andernorts ist man da liberaler, so zum Beispiel im Fall des kleinen Leonard Matthias Grunkin-Paul, der 1998 in Dänemark als Kind der deutschen Staatsbürger Frau Paul und Herrn Grunkin geboren wurde, was genau so auch in seiner dänischen Geburtsurkunde verzeichnet steht. Mit dieser Urkunde und seinem Doppelnamen im Gepäck kam der Zwerg sodann „zurück“ nach Deutschland. Die deutschen Behörden liefen Sturm und lehnten die Eintragung vehement mit der Begründung ab, dass der Nachname deutscher Staatsangehöriger dem deutschen Recht unterliege und dass ein Kind danach keinen Doppelnamen führen dürfe. Dürfe es eben schon und damit müssen die Deutschen leben, wenn die Dänen es auch können, befand der Gerichtshof der Europäischen Union mit Urteil vom 14.10.2008 (Az. C-353/06). Zwar liege die Namenshoheit grundsätzlich bei den Mitgliedsstaaten – im Einzelfall sei jedoch gegebenenfalls Gemeinschaftsrecht zu beachten. 

Dennoch ist eines klar und da können auch die Dänen nichts dran ändern: Die Ente bleibt draussen!


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