Der misslungene Haarschnitt 

Nicht immer verlassen Kunden lächelnd und zufrieden den Friseursalon. Doch wer haftet für die "Misere" auf dem Kopf?



Ich persönlich habe keinen Stress mit Frisuren. Das mag damit zusammenhängen, dass ich mich seit einigen Jahren mehr oder minder unfreiwillig von meiner Frisur getrennt habe. Es ist im Winter manchmal etwas kalt – im Großen und Ganzen aber ungemein praktisch und es gibt (so bilde ich mir gerne ein) durchaus eine wachsende Zahl an Zeitgenossen, die Glatzen sexy finden. Es gibt allerdings noch viel mehr Menschen, die zwar Haare haben, sich diese aber frustriert raufen. Der Grund dafür liegt darin, dass das Friseurhandwerk in Wahrheit eine Kunst ist – und Kunst ist, wie jeder weiß, Geschmackssache. 

So kann es schon einmal vorkommen, dass Künstler und Kunde wegen eines asymmetrisch gelegten Scheitels richterlichen Rat in Anspruch nehmen müssen. Aber wie ist das eigentlich: wann haftet ein Friseur für ein entgleistes Haarstyling? 

Das kommt auf den Grad der Entstellung an. Eine Kundin aus München wies ihren Barbier darauf hin, dass sie besonders dünnes Haar habe und bat darum, selbiges schonend zu färben und zu kürzen. Zunächst zeigte sie sich mit dem Ergebnis zufrieden. Am Tag danach jedoch war sie entsetzt und klagte auf Schmerzensgeld, weil man nun überall ihre Kopfhaut durchschimmern sähe. Zu Unrecht, urteilte das Amtsgericht. Der Richter umkreiste die Dame bei neonfarbener Sitzungssaal-beleuchtung aus allen Blickwinkeln und attestierte ihr sodann fachmännisch eine grundsätzlich gelungene Frisur nach den anerkannten Regeln der Schneidekunst. Die Sache mit der Kopfhaut sei ihrem dürftigen Haarwuchs geschuldet. Da könne auch ein Figaro nichts retten (Az. 173 C 15875/11). 

Eine unfreiwillig dauerhafte Veränderung ihres Haaransatzes hatte auch eine junge Dame aus Erkelenz erlitten, als sie als Belohnung für ein dreiwöchiges Friseurpraktikum ein kostenloses Styling vom Chef bekam. Dummerweise führte das zu einem permanent kahlen Fleck am Kopf. Als der Friseur ihr dreist empfahl, sie könne ja künftig eine Baseballmütze tragen, ging sie vor Gericht. Dreitausend Euro Schmerzensgeld, urteilte das Amtsgericht Erkelenz. Das beinhaltete einen ausdrücklichen Bonus für den dummen Spruch mit der Mütze (Az. 6 C 509/93). 

Noch schlimmer traf es eine 16-Jährige, die eigentlich blond werden wollte. Fehlerhafter Chemikalieneinsatz führte jedoch zu lebenslang kompletter Kahlheit. In erster Instanz sprach man ihr 8000 Euro Schmerzensgeld zu. Das OLG Koblenz als zweite Instanz hatte mehr Mitleid und setzte 18.000 Euro an, weil die junge Frau auch noch unter einer Latexallergie litt und deshalb keine Perücke tragen konnte. 

Als Friseur kann man solch haarigen Problemen nur dann entgehen, wenn man seine Kunden über die Gefahren und möglichen Folgen der Behandlung bereits vorab vollständig und sorgfältig aufklärt. Dann führt die Einwilligung in eine potentiell schadensverursachende Haarbehandlung zum Haftungsausschluss des Coiffeurs (Landgericht Berlin, Az. 23 O 539/01). 

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Spiegel oder ihren Anwalt.