Das Jawort vor dem Kapitän 


Romantisch ist anders! Als Keira Knightley und Orlando Bloom nach etlichen blutigen (und teils auch ziemlich ekligen) Wirrungen endlich den Beschluss fassten, den Bund für´s Leben zu schließen, versuchte allerlei fischköpfiges Gesindel mit Enterhaken, Säbeln und Musketen aufdringlich zu verhindern, dass der Bräutigam, der Anordnung des Piratenkapitäns folgend, die Braut endlich küsste. Sie wissen schon, ich spreche von Walt Disney´s  „Fluch der Karibik“, ich glaube es war der dritte Teil? Fragen sie am besten einfach ihre Kinder. Eine schlechte Nachricht allerdings verschweigt uns das farbenfrohe Epos vom androgynen Schreck der Meere: die Trauung war höchstwahrscheinlich nicht rechtswirksam. 

Das liegt nicht etwa daran, dass der Hochzeiter geplant hatte, sich kurze Zeit nach der Zeremonie das Herz aus der Brust schneiden zu lassen (was in der Tat den Eindruck erwecken könnte, er habe es mit dem „bis das der Tod euch scheidet“ etwas zu eilig gehabt). Die Sache scheitert vielmehr bereits an § 11 des Gesetzes über die Eheschließung, der knapp und bündig konstatiert: „Eine Ehe kommt nur zustande, wenn die Eheschließung vor einem Standesbeamten stattgefunden hat.“ 

Nun mag man dem Piratenhauptmann Barbossa (gemimt von Geoffrey Rush) allerlei Attribute bis hin zur temporären Unsterblichkeit andichten – aber eines ist er sicher nicht: ein Standesbeamter. Und deshalb bleiben die jungen Liebenden, trotz des tapfer-spontanen Heiratsversuchs vor einem Kapitän zur See, im Stadium des ernstgemeinten Eheversprechens stecken. Nach § 52 Abs. 1 Nr. 1 StPO resultiert daraus zwar immerhin zukünftig das Zeugnisverweigerungsrecht für Verlobte, was sich beim möglicherweise anstehenden Verfahren wegen § 316c StGB („Angriffe auf den Luft und Seeverkehr“) noch als hilfreich erweisen könnte. In den Genuss des Ehegattenprivilegs bei der Zweitwohnsitzsteuer hingegen werden die beiden wohl nicht gelangen. Und was wäre, wenn der Kapitän kein Pirat ist? Sondern er ein solides „großes Patent“ besitzt? Und das Schiff sich außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone befindet? Ich will Ihnen die bittere Wahrheit an dieser Stelle nicht schuldig bleiben: die Sache mit dem Heiraten vor einem Kapitän ist Seemannsgarn. Weil sich das gegenteilige Gerücht auf der ganzen Welt gar so hartnäckig hält, hat die US-amerikanische Marine sogar eindeutige Vorschriften erlassen: "Der kommandierende Offizier darf an Bord seines Schiffes oder Flugzeuges keine Trauungszeremonie durchführen" (Code of Federal Regulations, 32 CFR 700 716). Bei im Staate New York registrierten Seefahrzeugen droht dem Captain bei Zuwiderhandlung sogar Gefängnisstrafe. 

Jetzt sind Sie enttäuscht? Na gut, dann wählen Sie sich ein Schiff, das unter der Flagge der Bahamas oder Bermudas fährt. In den ehemaligen Piratengewässern nämlich gilt tatsächlich angeblich der Kodex, dass Kapitäne Trauungen in internationalen Gewässern vollziehen dürfen. Ob Sie freilich ihr Lebensglück auf das Recht solcher Gefilde stützen wollen, bleibt Ihnen überlassen. 

Wie sagte doch Captain Barbossa so treffend: „Es  handelt sich bei dem Kodex eher um sogenannte Richtlinien als um Regeln. Willkommen an Bord der Black Pearl!“ 

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